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DIPLOM-MASTERTHESIS «HOTEL-WOHNEN?»

Wie werden wir wohnen?

Worum geht es gegenwärtig und zukünftig im europäischen Wohnungsbau? Zunächst kann man sagen, worum es nicht mehr geht: Nämlich um eine primäre Versorgung mit Wohnraum in großen Massen. Grund dafür sind die gegenwärtigen (und wohl auch zukünftigen) demographischen Entwicklungen: Keine europäische Stadtbevölkerung wächst um mehr als zwei Prozent pro Jahr; das Wachstum ein Drittel aller Städte stagniert, ein weiteres Drittel schrumpft sogar. Der Wohnungsbau in Europa dient also anderen Bedürfnissen. Dabei geht es um die Erneuerung und den Unterhalt bestehender Strukturen, aber auch um eine Anpassung des Bestandes an veränderte Lebensmuster wie beispielsweise Einpersonenhaushalte oder Wohnraum für ältere Leute.

Die stärkste Triebfeder hinter der Wohnbauproduktion der jüngsten Zeit war die Zunahme der Wohnfläche pro Person als Ausdruck gesteigerten Wohlstandes. Seit 1970 hat die durchschnittliche Wohnfläche pro Person beispielsweise in der Stadt Zürich um 11 Quadratmeter zugenommen. Von 30 qm ist sie auf heute 41 qm pro Person in der Innenstadt gestiegen. Gemäß dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erreicht die Pro-Kopf-Wohnfläche in Deutschland heute 45 qm. Diese Entwicklung hat sich nach einem Schub Ende der achtziger Jahre Anfang der neunziger Jahre verlangsamt und sich in einzelnen Beispielen sogar umgekehrt. In manchen Städten werden wieder kleinere Wohnungen gebaut, da aufgrund stagnierender Konjunktur das Wohnen für viele Leute teurer geworden ist.

Auch demographische Entwicklungen beeinflussen die gegenwärtigen und zukünftigen Wohnformen nachhaltig. Der in den letzten Jahrzehnten gestiegene Pluralismus an Lebensformen führt zu unterschiedlichsten Nachfragemustern und individuellen Ausdrucksformen. Das Familienmodell und der damit verbundene Vierpersonenhaushalt werden zunehmend verdrängt. Gemäß dem Statistischen Bundesamt beträgt der Anteil von Ein- bis Zweipersonenhaushalten heute 74 Prozent und wird in den nächsten 15 Jahren auf 81 Prozent steigen. Bereits heute überwiegen Einpersonenhaushalte in urbanisierten Gebieten.

Schließlich sorgt die in den letzten dreißig Jahren stark gestiegene gesellschaftliche Mobilität auch für einen Wechsel im Wohnverhalten. Man kann festhalten, dass immer mehr Menschen immer häufiger unterwegs sind. Diese Entwicklung hat mindestens zwei Ursachen: Dank gut ausgebauter Infrastruktur (Nah- und Fernverkehr) haben die Pendeldistanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort stark zugenommen und infolge unseres hohen Wohlstands und den ausgeprägt individuellen Lebensläufen ziehen Menschen immer häufiger um.

Wohnen auf Zeit

Für viele Menschen ist das Zuhause nicht mehr ein dauerhafter Aufenthaltsort, sondern eher eine Art Basisstation für einen zeitlich begrenzten Lebensabschnitt. Die hohe Permanenz bürgerlicher Wohnformen im gegenwärtigen Immobilienmarkt und der Wohnbauproduktion ist unter diesen Voraussetzungen – gelinde gesagt – bemerkenswert. Alternative Wohnformen wie Wohngemeinschaften, Generationenwohnen, Formen kollektiven Wohnens, Wohnen und Arbeiten unter einem Dach usw. bilden immer noch die Ausnahme.

Begriffe aus der aktuellen Architektur- und Soziologieforschung wie «temporäres Wohnen», «multilokales Wohnen» und «passageres Wohnen» unterstreichen die hohe Brisanz dieses gesellschaftlichen Phänomens. Temporäres Wohnen ist der allgemeinste Begriff, der ein zeitlich begrenztes Wohnen bezeichnet. Damit gemeint sind Hotels, Studentenwohnheime, aber auch Alterswohnungen, weil sie für einen bestimmten Lebensabschnitt entworfen wurden. «Multilokales Wohnen» ist ein Ausdruck des Wohnforums der ETH Zürich und beschäftigt sich auf soziologischer Ebene mit der Tatsache, dass immer mehr Menschen mehrere Wohnorte – teilweise sogar in derselben Stadt – besitzen oder mieten. «Passageres Wohnen» bezeichnet eine Wohnform, bei der es keine feste Bleibe mehr gibt, man nur noch unterwegs ist zwischen Hotels, Flughäfen, Bahnhöfen, Campingplätzen etc.

Hotel-Wohnen

Die Wohnung hat längst die Bedeutung des dauerhaften Heims für die Familie verloren. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung geht es darum, für die aktuell hohe und spezifische Nachfrage nach temporärem Wohnraum für Ein- bis Zweipersonenhaushalte eine eigene Architektur jenseits der konventionellen Drei- bis Vierzimmerwohnung zu entwickeln.

Diese alternative Wohnform basiert auf Kleinwohnungen, die mit einem gemeinschaftlich genutzten Dienstleistungsapparat ausgestattet sind. Sie bietet Platz für Individualität, Rückzug und Komfort. Gleichzeitig sorgt sie durch intelligente Auslagerung von gemeinschaftlich nutzbaren Einheiten für gute Aufenthaltsqualitäten.

Zudem besteht eine hohe Nachfrage nach Kleinwohnungen, da 1- bis 1.5-Zimmerwohnungen lange Zeit nicht mehr realisiert wurden. Kleinwohnungen aus den fünfziger und achtziger Jahren wurden vor allem für am Existenzminimum lebende Menschen gebaut, weisen deswegen einen sehr niedrigen Ausbaustandard auf und lassen sich heute kaum noch rentabel vermieten. Die in dieser Diplomaufgabe gesuchte alternative Wohnform ist nicht neu. Kommunehäuser, Boardinghäuser, Alterswohnungen (keine Altersheime), Studentenwohnheime und Hotels bieten architektonische Antworten.

Im Unterschied zu diesem bestehenden Angebot soll das zu entwerfende Wohnhaus nicht auf einen bestimmten Bewohnertypus (wie den Rentner, den moderne Hippie, den Student oder die Professorin) zugeschnitten werden, sondern das Wohnhaus soll durch ein intelligentes Programm und eine gute Raumstruktur offen sein für verschiedene Lebensmodelle und damit eine attraktive Durchmischung der Bewohnerschaft gewährleisten.

STUDENTISCHER WETTBEWERB SOMMERSEMESTER 2015

Johannes Walterbusch gewinnt den anonymen Wettbewerb „Aufstockung Haus König“ im Rahmen des Pflichfachs D unter 56 Arbeiten.

BDA SARP-AWARD 2015

Lisa Schneider wurde für die finale Juryrunde ausgewählt und nahm am Workshop in Warschau teil. Der Titel ihrer Arbeit lautet „Wahre Geschichten, eine Stadtvilla in Darmstadt“

Lisa Schneider, Diplom 2014, Wahre Geschichten
Lisa Schneider, Diplom 2014, Wahre Geschichten