Im Wohnen spiegelt sich der kulturelle Ausdruck der Gesellschaft. Wohnen ist Kultur a priori. Sich mit Wohnen zu befassen, impliziert ontologische Fragen – mit anderen Worten: Es berührt die grundsätzliche Frage nach dem Dasein oder Sein. Während im gängigen Gebrauch unter Wohnen eine faktische Tätigkeit verstanden wird, ist das existentiale, wesentlich gedachte Wohnen ein Grundzug des Mensch-Seins. „Die Art, wie du bist und ich bin, die Weise, nach der wir Menschen auf der Erde sind, ist das Wohnen.“
Unser Bezug zu Orten und durch Orte zu den Räumen beruht im Wohnen. Das Verhältnis von Mensch und Raum ist nichts anderes als das Wesen des Wohnens. Wohnen ist das In-der-Welt-Sein oder die Art, wie man auf der Welt ist. In diesem Aspekt des Wohnens ist das Wie enthalten. Das Wie reflektiert die Haltung zu den gängigen Bedeutungen, das Bewusstsein über die Umwelt, somit die Ökologie und das Erkennen und Wahrnehmen der eigenen Zeitlichkeit. Die Wirklichkeit ist nicht etwas, das man allein durch Hinweise auf die biologische Konstitution des Menschen erklären kann. Existenz und Identität begreift man in der Entstehung und Erschaffung des Sozialen. Wirklichkeit ist gesellschaftlich konstruiert und ergibt sich aus dem Gebundensein des Menschen an Gruppen und Geschichte, Orte und Traditionen.
Wohnen kann man lernen. Grundlage dafür ist die eigene Wahrnehmungsfähigkeit, die ausgebildet werden muss. Über Erkennen und Erschaffen wird Kultur entwickelt und gestaltet. Das Entwickeln typologischer Grundlagen gehört ebenso dazu wie die Kenntnisse soziologischer, haptischer und psychophysischer Beziehungen und Wirkungen von Räumen auf die Gefühle im umfriedeten Territorium.