Wohnen in Europa

Forschung

Wohnen in Europa

Der Großteil des Wohnbaubestands in Europa wurde zwischen 1950 bis 1970 erstellt. Dies gilt für nahezu alle europäischen Länder – für Deutschland kann festgehalten werden, dass fast drei Viertel aller Wohnbauten nach 1950 realisiert wurden. Am höchsten war die Wohnbautätigkeit in den sechziger und siebziger Jahren (www.zensus2011.de). Die meisten von uns wohnen damit in Wohnungen und Häusern, deren Wohnformen den Bedingungen und Idealen der Nachkriegszeit entsprechen.

Fragestellung

Welche Themen charakterisieren die Wohnformen dieser historischen Phase? Lassen sich spezifische Wohnformen für einzelne Städte identifizieren? Gibt es übergeordnete Themen, welche auf eine europäische Wohnkultur schließen lassen? Diese bislang unbeantworteten Fragen stehen im Kern unseres Forschungsschwerpunktes «Wohnen in Europa». Grundlage für diese Frage bildet eine breit angesetzte historische Recherche, welche die Entstehung aus-gewählter Mehrfamilienhäuser (zumeist Geschosswohnungsbau) in europäischen Städten von 1945-1970 untersucht und mittels Texten, Bildern und Plänen darstellt.

Forschungsanlage und Eingrenzung

Die Grundthese dieser Forschung betrachtet Wohnungsbau als Resultat einer dynamischen Wechselwirkung zweier Faktoren: Diese sind erstens die politischen und kulturellen Ideale, welche die Mentalität der Bauträger, ihre Debatten und Entscheidungen als Klienten von Künstlern, Architekten und Gestaltern beeinflusst haben, zweitens die massgebenden intellektuellen Strömungen der Nachkriegszeit, welche für die Formation und Berufspraxis der Architekten charakteristisch waren.

Die Erschließung der Themenvielfalt im europäischen Wohnungsbau – von der Wohnform bis zur Materialkultur – basiert auf der historischen Rekonstruktion einzelner ausgewählter Wohnbauten. Diese Wohnbauten zeichnen sich über innovative und eigenständige Grundrisse aus und stehen in europäischen Städten, die in der Nachkriegszeit tiefgreifende politische und kulturelle Transformationsprozesse erfuhren. Zudem favorisieren wir solche Städte, welche die Wohnbauforschung bislang wenig berücksichtigt hat.

Die Grundlagen dieser Studie erarbeiten wir gemeinsam mit Studierenden. Zur Erschliessung der Quellen (Archivrecherchen, Architekteninterviews und Dokumentation der Bauwerke) veranstalten wir das Forschungsseminar «Wohnen in Europa». Die Studierenden haben hierbei die Aufgabe, ein Wohnhaus bauhistorisch zu erschliessen und auf seine Entstehungsbedingungen und spezifischen Wohnformen hin zu befragen. Nach und nach entsteht so erstmalig ein Inventar innovativer Wohnbauten und ein «Bild» der Wohnkultur in Europa.

Bedeutung der Forschungsarbeit

Ausgehend von den detaillierten Analysen ausgewählter Fallbeispiele leistet die Forschung einen wesentlichen und umfassenden Beitrag zur Geschichte des europäischen Wohnungsbaus zwischen 1945-1970. Darüber hinaus schafft die Studie über das Zusammenwirken einer gesellschaftlichen und historischen Konstellation, welches zu einer charakteristischen Ausdrucksweise führt, verallgemeinerbare Erkenntnisse. Die Arbeit trifft damit zentrale Fragen zur Entstehung einer spezifischen Architektur und wird ein Analyseinstrumentarium für andere Kontexte bereitstellen.

Bisherige Untersuchungen

Wohnen in Brüssel, Wintersemester 2012/2013

Wohnen in Zagreb, Sommersemester 2013

Wohnen in Köln, Wintersemester 2013/2014

Wohnen in Oslo, Sommersemester 2014

Wohnen in Porto, Wintersemester 2014/2015

Wohnen in Lyon, Sommersemester 2015

Wohnen in Athen, Wintersemester 2015/16