Grundrissforschung

Forschung

Grundrissforschung

«Wie wohnen wir? Die Entwicklung der Wohnung in Frankfurt am Main von 1947-2013»

Im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchen wir die Änderungen des Wohnungsgrundrisses in Frankfurt ab 1947 bis 2013. Diese Erkenntnisse dienen dazu, Zusammenhänge zwischen der Änderung der Wohnform und der Wandlung der Wohnung im genannten Zeitraum zu begründen.

Das Forschungsprojekt wird in Kooperation mit dem Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt durchgeführt. Die Stadt Frankfurt ist deshalb besonders geeignet, weil 80% der Wohnungen Mietwohnungen sind (www.zensus2011.de).

In den letzten fünf Jahrzehnten haben sich die Lebensmodelle in Deutschland grundlegend verändert. Der ab 1960 massiv zugenommene Wohlstand und der markante Anstieg des Bildungsniveaus haben zu einer ausgesprochenen Individualisierung der Lebensverläufe geführt. In den Sozialwissenschaften ist das Phänomen der «Individualisierung der Gesellschaft» (Bruggmann 2004) und der damit einhergehende «gesellschaftliche Wandel» (Schubert, Klein 2011) längst bekannt. Dass solche tiefgreifenden Wandlungsprozesse auch die Wohnformen beeinflussen, überrascht nicht. Mit dem Begriff der Wohnform ist die Art und Weise des Wohnens (Wohnbedürfnis und Lebensstil) unabhängig der Behausung beschrieben (Single-Haushalt, Familienwohnen, Wohngemeinschaft, Alterswohnen, Studentenwohnen etc.). Besonders deutlich drückt sich dieser gesellschaftliche Wandel in der Zunahme von Ein-Personen-Haushalten ab Mitte der 1970er Jahre aus. Gegenwärtig ist der Ein-Personen-Haushalt sogar die vorherrschende Haushaltsgröße. Die klassische Wohnform der Kleinfamilie ist heute nur noch für einen geringen Teil der Bevölkerung relevant, rund 37% der Haushalte in Deutschland sind Ein-Personen-Haushalte (www.zensus2011.de). Der enorme Pluralismus an Lebensentwürfen hat zu einer Vervielfältigung der Wohnformen geführt. Neue Wohnformen wie das Wohnen auf Zeit, «multilokales Wohnen» (ETH Wohnforum), Wohnen im Alter, Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, Generationenwohnen, Großwohngemeinschaften (und viele mehr) sind entstanden und rücken vermehrt in den Fokus der Planer.

Die Veränderung der Lebensmodelle und die Herausbildung neuer Wohnformen in den letzten sechs Jahrzenten in Deutschland waren häufig Gegenstand der Forschung in den Sozialwissenschaften. Was bislang fehlt, ist die systematische Untersuchung der Veränderung des Wohnungsgrundrisses in der gleichen historischen Phase.

Im Fokus stehen zunächst zwei Fragenkomplexe: 1. Wie hat sich die Wohnung grundrisslich verändert. 2. Welche institutionellen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Prozesse wirken auf die Wohnung und wie?

Das Projekt wird über einen Zeitraum von sechs Monaten seit Anfang August durch eine Anschubförderung der TU Darmstadt unterstützt.